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LWS-SYNDROM
weitere Suchbegriffe: Syndrom der Lendenwirbelsäule,
Syndrom der LWS
Das LWS-Syndrom (Syndrom der Lendenwirbelsäule) ist ein Sammelbegriff für Rückenschmerzen bzw. Kreuzschmerzen, die aufgrund degenerativer (= abnutzungsbedingter) Wirbelsäulenveränderungen oder statisch-muskulär bedingter Störungen von der Lendenwirbelsäule ausgehen oder den Lendenwirbelsäule nbereich betreffen.
Etwa 30-40% unserer Patienten klagen über Schm
erzen, die von der
Wirbelsäule
ausgehen oder dort empfunden werden. Die
Wirbelsäule
als statisches Achsenorgan ist in
dieser Funktion großen Belastungen ausgesetzt, entsprechend häufig treten
Verschleißerscheinungen auf, die über die physiologische Degeneration
(= normale Abnützung)
hinausgehen und deshalb oft Beschwerden verursachen. Es ist jedoch stets zu
bedenken, daß auch höhergradige Verschleißprozesse nicht unbedingt mit Schm
erzen
einhergehen müssen, auch gibt es keine statistische Korrelation zwischen dem
Ausmaß der abnutzungsbedingten Veränderungen und der geklagten
Schme
rz
intensität. Das Vorhandensein abnutzungsbedingter Veränderungen, die
theoretisch die geklagten Beschwerden verursachen können, darf deshalb nicht
dazu verleiten, eine weitergehende Diagnostik
(= Maßnahmen zur Erkennung eines
Krankheitsgeschehens) zu unterlassen.
Vertebragene (= von der Wir belsäule ausgehende)
Schm
erzen
können auf die Schädigungsregion (Bewegung
ssegment) beschränkt bleiben und/oder
in das Versorgungsgebiet eines irritierten oder geschädigten
Nerven
(pseudoradikuläres
oder
radikuläres Syndrom) ausstrahlen.
Diffuse, in die
Peripherie (= in den äußeren
Körperbereich) projizierte Schme
rzen
ohne faßbare
Nervenstörung, begleitet von Krankheitszeichen, die dem
vegetativen, unwillkürlichen Nervensystem zuzuordnen sind (z.B. örtlich
vermehrte Schweißbildung), sprechen für die Funktionsstörung des Grenzstranges
(= vegetative Nervenstrukturen
beiderseits der
Wirbelsäule) (Syndrom
des sympathischen Grenzstranges, Thoden 1989).
Vertebragene (= wirbelsäulenbedingter) Ursachen für ein (chronisches) Syndrom der Lendenwirbelsäule:
Degenerative Veränderungen
(= durch Abnutzung hervorgerufen)
-
Bandscheibenschäden (Bandscheibenvorwölbung,
Bandscheibenvorfall)
- ligamentäre Insuffizienz (=
Funktionsstörung von Haltebändern)
- Störung der gelenkigen
Wirbelverbindungen
- knöcherne Veränderungen
(Randzacken,
Knochen
wulste usw.)
Mißbildungen
-
angeborene (z.B. Spina bifida, Blockwirbel, Keilwirbel)
-
Wachstumsstörung (z.B.
Skoliose,
Morbus
Scheuermann)
Entzündliche Erkrankungen
-
Rheumatischer Formenkreis (z.B.
Polymyalgia,
Morbus Bechterew)
-
Infektionserkrankungen (Spondylitis
z.B. durch Tbc, Staphylokokken)
Generalisierte Skeletterkrankungen
-
(z.B.
Osteoporose,
Osteomalazie)
Tumoren
der Wir belsäule
-
Primärtumoren (hauptsächlich Plasmozytom)
-
Metastasen
Traumen (= Verletzungen) (z.
B. Frakturen)
Defekte, nicht verletzungsbedingte (z.B.
Spondylolyse,
Spondylolisthesis)
Die Lendenwirbelsäule
ist großen statisch-dynamischen Belastungen ausgesetzt, weshalb hauptsächlich
dieser
Wirbelsäule nabschnitt von
Schmerzsyndrome
n betroffen ist.
Als Schme
rz
ursache stehen wie bei der
Halswirbelsäule
übermäßige degenerative
(= abnutzungsbedingte)
Veränderungen im Vordergrund, wobei der
Bandscheibe
eine Schlüsselrolle zufällt. Der Wassergehalt des Gallertkernes der Ba
ndscheibe
nimmt im Laufe der Zeit ab und damit die Elastizität, wodurch die Beweglichkeit
beeinträchtigt wird. Der Faserring verliert allmählich seine Haltefunktion, wird
rissig und teilweise für die Gallertmasse durchlässig. Bereits in dieser Phase
sind
Bandscheibenvorfälle
möglich. Das
Bewegung
ssegment wird durch diese
Bandscheibenveränderungen
nunmehr instabil, wodurch die Funktionsbewegungen beeinträchtigt werden. Die
Wirbelkörper können sich dann gegeneinander verschieben, worunter die kleinen Wir
bel
gelenke besonders
leiden und schließlich mit t arthrotischen
(= krankhaften)
Veränderungen reagieren (Spondylarthrosen).
Mit zunehmender
Bandscheibendegeneration
(=
Bandscheibenabnutzung)
nähern sich die Wirbelkörper einander und reagieren mit Randzackenbildung (Spondylose)
und Sklerosierung (=
krankhafte Verhärtung) der
Deckplatten (Osteochondrose).
Allmählich kommt es zu einer Versteifung, die an sich der Entstehung von
Rückenschmerzen
entgegen wirkt ("wohltuende Versteifung im Alter"). Jede Phase dieser
fortschreitenden Degeneration kann im Bewegungssegment
Rückenschmerzen
verursachen, die auch mit
pseudoradikulärer
oder gar
radikulärer Symptomatik
(= Krankheitszeichen
die auf eine scheinbar oder tatsächlich geschädigte
Nervenwurzel
zurückzuführen sind) einhergehen
können. Verschleißprozesse, die über die normale, altersentsprechende Abnutzung
hinausgehen, können auch zu einer Verengung des Spinalkanals (Spinalkanalstenose)
führen und in den betroffenen Segmenten
Rückenschmerzen
hervorrufen, bei entsprechendem Ausmaß treten weitere Beschwerden hinzu
((pseudoradikuläre, radikuläre Ausstrahlungen in die
Beine,
Claudicatio spinalis
(= Funktionsbeeinträchtigung der
Beine aufgrund
einer
Durchblutungsstörung im
Rückenmark)).
Die kleinen Wir
bel
gelenke, die wegen
ihrer dachziegelartigen Anordnung auch
Facettengelenke
genannt werden, können auch isoliert, also unabhängig vom Einfluß der
Bandscheibendegeneration
arthrotische Veränderungen erfahren und dann ebenfalls schme
rzhafte Blockierungen des Bewegungssegmentes hervorrufen.
Auch im Bereich der Foramina intervertebralia
(= Zwischenwirbellöcher)
können isolierte Störungen auftreten, die die zugehörigen
Nervenwurzel
n irritieren oder gar schädigen und dann zu
Rückenschmerzen
führen.
Ein
Bandscheibenprolaps
(=
Bandscheibenvorfall) erfolgt meist dorsolateral
(= seitlich und nach hinten)
und kann schon bei geringem Ausmaß das Bewegungssegment blockieren. In der
dorsolateralen (= hinteren und seitlichen)
Region kann aber auch die
Nerv
enwurzel
direkt tangiert bzw. eingeklemmt werden und ausstrahlende Krankheitszeichen
bewirken. 90% aller
Bandscheibenvorfälle
finden in den Etagen L4/L5 und L5/S1 statt (Sehhati-Chafei 1988). Diese
bevorzugte Lokalisation führt dazu, daß häufig die Diagnose "Lumboischialgie"
gestellt wird, da die oberen Anteile des Plexus ischiadicus (=
Nerven
geflecht aus dem der
Ischias
nerv entstammt)
bzw. Plexus sacralis
(=
Nerven
geflecht im Bereich des
Kreuzbein
s) den
Nervenwurzel
n L4 und L5 entstammen.
Patienten mit Schme rzen nach
Bandscheibenoperationen
sind bezüglich einer
Schmerzbehandlung
sehr problematisch. Erfahrungsgemäß nimmt die Problematik mit jeder weiteren
Operation sogar noch zu. Der oben beschriebene typische Ablauf des
Abnutzungsprozesses macht deutlich, daß auch mit einer
Bandscheibenoperation
die eigentliche Schme
rzursache ja nicht behoben werden kann,
im Gegenteil, es besteht sogar die Gefahr, daß der degenerative Prozeß noch
beschleunigt wird. Mit jeder Operation nimmt die Tendenz zur Instabilität zu,
abgesehen von den zusätzlichen iatrogenen
(= durch die Operation verursachten) Gewebsschädigungen.
Dazu paßt sehr deutlich folgende Erkenntnis: Daß eine Bandscheibenoperation
längerfristig gesundheitliche Vorteile bringt, ist nach einer neueren Analyse
von 1200 Publikationen nicht belegt. Quelle:
http://idw-online.de/pages/de/news232256.
Nicht selten sehen wir Patienten, bei denen nach mehrfachen
Bandscheibenoperationen
wegen Instabilität eine
Spondylodese
(= operative
Wirbelsäulenversteifung)
durchgeführt werden mußte. Leider ist auch nach einer solchen, teilweisen
Wirbelversteifung
ein Großteil der Patienten nicht beschwerdefrei. Es ist daher zu begrüßen, daß
die Indikation (=
Anzeige) zur
Bandscheibenoperation
in den letzten Jahren immer mehr eingeschränkt worden ist. Als Grund für eine
Operation ist das Krankheitszeichen "Schme rz" in den
Hintergrund getreten. Als relative Indikation
(= Anzeige) gelten allenfalls
unerträgliche, therapieresistente
(= nichts hilft)
Rückenschmerz
en.
Beim sog. Cauda-Syndrom
(= Rückenmarkschädigung mit Lähmung der
Beine),
ebenso bei motorischen Defiziten
(= Beeinträchtigungen der
Muskelfunktion), die unter
konservativer Therapie
(= Behandlung ohne Operation)
bestehen bleiben oder gar zunehmen, muß operiert werden, um eine Entlastung
herbeizuführen.
Segmentale
Rückenschmerz
en mit und
ohne Schme
rzausstrahlungen, können auch von den
Muskeln neben der
Wirbelsäule selbst
und/oder den zugehörigen
Sehnen ausgehen (myofasziales
Schmerzsyndrom). Über den segmentalen Reflexbogen kann auch die benachbarte
Seite mit einbezogen werden, so daß das Bild eines vertebragenen
(= von der Wir
belsäule
ausgehenden)
Rückenschmerz
es vorgetäuscht wird.
Häufig haben
Rückenschmerz
en auch ihren Ursprung in den
Iliosakralgelenken (=
gelenk
artige Verbindung
zwischen
Darm
- und
Kreuzbein) (die sog.
Iliosakralgie).
Meist liegen funktionelle Störungen vor, die betroffenen Patienten klagen
besonders bei Rumpfbeugung, verbunden mit Drehung, über Schme
rzen im lumbosakralen Übergangsbereich (= unterer Lendenwirbelsäule
n- und oberer
Kreuzbeinbereich), aber auch
typischerweise über Schme
rzen im Bereich der Spina iliaca posterior superior
(= hinterer oberer
Darmbeinstachel) mit unspezifischen
Ausstrahlungen in die
Beine
(Gesäß,
hinterer und seitlicher
Oberschenkel bis
zur
Wade
und evtl.
Ferse).
Neurologische Ausfälle
(=
Nervenstörungen)
bestehen nicht. Häufiger kommen diese Patienten mit der (falschen) Diagnose „Ischiolumbalgie“.
Grobe Hinweise auf die Art
der Schädigung liefern die Abfrage der Vorgeschichte und Beschwerdebild.
Wird ein LWS-Syndrom bei Beanspruchung der Wir
belsäule verstärkt oder ausgelöst, so sind die Bewegungssegmente beteiligt.
Schme
rzen, die von der Wirbelsäulenfunktion
unabhängig sind, sprechen mehr für Störungen im Bereich der Wirbelkörper.
Rückenschmerzen,
die von
Muskeln und deren
Bindegewebsumhüllung ausgehen (sog. muskuloskelettaler oder myofaszialer
Ursprung) werden durch Wirbelsäulenbelastungen und -bewegungen ebenfalls
verstärkt, unterliegen aber häufig klimatischen Einflüssen, d.h., sie treten in
der kälteren Jahreszeit bevorzugt auf. Oft berichten die Patienten, sie hätten
sich "verkühlt".
Ein akut auftretendes
LWS-Syndrom
ist häufig bandscheibenbedingt, kann aber auch durch eine akute
Segmentblockierung (hpts. kleine Wir
belgelenke)
ausgelöst werden.
Akute Schme
rzen, die mit einer monoradikulären Symptomatik
(= Krankheitszeichen 1
Ner
venwurzel
betreffend) einhergehen, sind sichere
Anzeichen eines
Bandscheibenvorfall
s, gleiches gilt für akute Schme rzen im Zusammenhang mit einem
Cauda-Syndrom (=
Rückenmarkschädigung mit Lähmung der
Beine).
Rückenschmerzen
beim Husten und Pressen sind typisch für
Nervenwurzelkompressionen, z.B. infolge einer
Bandscheibenprotrusion oder gar eines
Bandscheibenprolaps
(=
Bandscheibenvorwölbung
oder gar
Bandscheibenvorfall).
Rückenschmerz
en, die bei Erschütterung auftreten, können von einer
Spondylitis
(= En
tzündung
an der Wir
belsäule)
verursacht werden.
Rück
ensch
merzen, die bevorzugt nachts und morgens auftreten, weisen auf eine
generalisierte (=
allgemeine)
Wirbelsäulenerkrankung
hin, z.B.
Morbus Bechterew
oder
Osteoporose. Auch
auf den Ort der Schädigung lassen sich bereits aus dem Beschwerdebild
Rückschlüsse ziehen.
Schme
rzen und Störungen der (Berührungs-) Empfindlichkeit im Bereich ober- und unterhalb des Leistenbandes
weisen auf die Ner
venwurzeln L1 (=
1. Segment der Lendenwirbelsäule) und
L2 hin. Die L3-Wurzel macht sich am vorderen inneren
Oberschenkel
bemerkbar.
Die
Meralgia paraesthetica
(=
Schmerzstörung im
Bereich des Nervus cutaneus femoris lateralis, rumpfnahe an der Außenseite des
Oberschenkels) ist dagegen eine
periphere (= mehr
oberflächliche)
Nervenstörung.
Schme
rzen und Störungen der (Berührung
s-) Empfindlichkeit vom vorderen inneren
Oberschenkel
bis zur
Schienbein
vorderfläche reichend, betreffen die Wurzel L4.
Beschwerden, die von der Außenfläche des Oberschenkels über den äußeren
seitlichen
Unterschenkel zum
Fußrücken
und zur Großzehe
ziehen, sind L5 zugeordnet, während die S1-Wurzel
(= 1. Ner venwurzel im Kr euzbeinbereich)
für den hinteren Oberschen
kel, hinteren seitlichen
Unterschenkel,
seitlichen
Fußrand und die
Zehen 3-5
verantwortlich ist.
Medikamentöse Schmerztherapie bei
einem Syndrom der LWS:
Akut
(= plötzlich einsetzend, heftig)
und subakut
(= eher schleichend
verlaufend) können
zunächst (vorwiegend) peripher wirkende
Analgetika
(=
Schmerzmittel, die
am Ort der Schmerzentstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale
Antirheumatika
(=
Rheuma
mittel),
aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und
magen
schonende wie z.B. Meloxicam.
Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2
Inhibitoren, z.B. Parecoxib oder Etoricoxib, allerdings scheint diese
Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei
längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht
auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe
zuvor.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch
Muskel
relaxanzien
(= Mittel zur Entspannung von
Muskeln)
(z.B. Orphenadrin,
Tolperison) verordnet werden.
Manchmal ist aber auch ein
Syndrom der LWS nur mit
zentral wirkenden
Analgetika
(= im
Gehirn bzw.
Rückenmark
wirkende
Schmerzmittel)
(z.B. Tramadol,
Tilidin, bzw. Tilidin mit Naloxon oder auch Morphin) beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch bei Rück
enschmerzen eine längerfristige Sch
merzmittelverordnung wegen der Gefahr der
Gewöhnung oder gar
Sch
merzmittelabhängigkeit
vermieden werden. Die Kombination mit sch merzdistanzierenden
Antidepressiva (=
Mittel gegen Depression, u.a. aber auch beim LWS-Syndrom hilfreich) (z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schme
rzmittel einzusparen.
Therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel):
Bei anhaltenden Schme
rzen sollten rechtzeitig alternative
Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes
Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit
einem lang wirkenden
örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen
Betäubungen und
Nervenblockaden.
Infiltrative Lokalanästhesie (= Infiltration mit einem örtlichen Betäubungsmittel):
Der Beweis für ein "Facettensyndrom" (= Schmerzstörung im Bereich der kleinen Wir belgelenke) als Schme rzursache, ist letztlich nur durch den Erfolg einer probatorischen (= zur Sicherung der Diagnose durchgeführten) Facet ten-Betäubung zu erbringen. Langzeiterfolge durch Thermokoagulation (= Verkochung / Zerstörung mit Hochfrequenzstrom) der Facet ten sind beim LWS-Syndrom nicht gesichert.
Periphere temporäre (= oberflächliche, zeitlich begrenzte) Nerv en- und rückenmarknahe Blockaden:
Statt mit einem örtlichen Betäubungsmittel können die aufgeführten, rückenmarknahen Blockaden auch mit einer verdünnten Morphin-Lösung durchgeführt werden, allerdings ist dabei die oft zu beobachtende, über die Behandlungszeit hinaus anhaltende Wirkung deutlich weniger ausgeprägt. Bei sehr schweren und sonst kaum behandelbaren Rück enschme rzen kann zur Durchführung rückenmarknaher Blockaden auch eine kleine Schme rzpumpe unter die Haut gepflanzt werden. Das Arzneimittelreservoir der Pumpe wird dann in bestimmten Zeitabständen durch die Haut hindurch mit Hilfe einer Spritze wieder aufgefüllt.
* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird vorübergehend (z.B. 10-14 Tage lang) ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv en eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schme rzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das Lokalanästhetikum (= örtliches Betäubungsmittel) wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schme rzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben. Dass die sch merzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, dass bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Nerven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert (Sympathikolyse). Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Sch merzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (= abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, hilfreich ist. Eine gute Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder geschädigten Nervs. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung auch das sog. Schme rz gedächtnis zu löschen.
Physikalische Therapie
beim Syndrom der Lendenwirbelsäule:
Auch eine Elektrostimulation kann eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die
transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst
behandeln können. Die Elektroden werden paarig neben der Wir
belsäule
im Schme rzbereich aufgeklebt.
Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die
Wirkung optimiert werden. Auch eine sog.
Hochtontherapie kann sehr hilfreich sein.
Die elektrische epidurale Rückenmarksstimulation erfordert eine strenge Patientenauswahl.
Eine weitere physikalische
Behandlungsmöglichkeit ist die oberflächliche Kältetherapie im Schme rzbereich. Wir
verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis
-15 Grad C abgekühlt ist.
Manche Patienten mit einem LWS-Syndrom (gilt auch für andere Rück
enschme
rzen) empfinden allerdings lokale
Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können
ebenfalls Rück
enschme
rzen lindern.
Die Verordnung von Massagen ist auch beim
Syndrom der LWS
nicht sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber
unter schme
rztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und
führt nur zu unnötigen Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist aber beim Syndrom der Lendenwirbelsäule die
heilgymnastische Therapie, da meist nur diese geeignet ist, einen ärztlichen
Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Dabei gilt es,
die
Muskeln neben der Wir
belsäule
zu trainieren, da auf Dauer nur eine kräftige/suffiziente Mus
kulatur
eine statische und dynamische Schwäche des Achsenorgans kompensieren kann.
Besonders bei akuten Blockierungen hat die manuelle Therapie (Chirotherapie)
bei der Anzeige „LWS-Syndrom“ durchaus gute Erfolge
aufzuweisen. Bei schme rzhaften
degenerativen (=
durch Abnutzung hervorgerufenen)
Veränderungen der Wir
belsäule
wird auch eine Röntgenbestrahlung empfohlen (Thomalske 1991). Eine
Magnetfeldtherapie (pulsierende
Signaltherapie) kann ebenfalls hilfreich sein.
Andere Therapiemaßnahmen
beim Syndrom der LWS:
Der Vollständigkeit halber darf die
Akupunktur zur Behandlung nicht unerwähnt bleiben.
Wichtig sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und
Vermeidung von übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie
bzw.
Rückenschule).
Darüber hinaus ist anzustreben, daß die betroffenen Patienten Übungen zur
Lockerung der Mus
kulatur erlernen. Die Verordnung von Hilfsmitteln wie z.B. stabilisierende
Korsette sollten dem Orthopäden vorbehalten sein.
Besteht ein chronisches LWS-Syndrom längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen im Rahmen der speziellen Schmerzpsychotherapie zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen, was aber ambulant kaum möglich ist, weil es nur ganz wenige niedergelassene Psychologen gibt, die eine solche Weiterbildung absolviert haben.
Das Bundesministerium für Gesundheit teilt auf der Web-Seite der Bundesregierung mit, dass alle Versicherte (also auch ältere Patienten) einer gesetzlichen Krankenkasse einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation haben und sich ihre REHA-Klink sogar selbst aussuchen dürfen. Lesen Sie dazu auch einen Brief des Bundesgesundheitsministeriums an die Sozialministerien der Länder als Aufsichtsbehörde der gesetzlichen Krankenkassen. Dieses Wahlrecht wurde mittlerweile auch durch Urteile von Landessozialgerichten bestätigt: Baden-Württemberg (Az: L 4 KR 2071/05 und Hessen ((Az.: L 1 KR 2/05: Gewährt eine Krankenkasse einem Versicherten einen Aufenthalt in einer Reha-Klinik, so ist sie dazu verpflichtet, die Wünsche des Versicherten in Bezug auf die Einrichtung zu berücksichtigen (eine Revision gegen diese Entscheidung ließ das Gericht gar nicht erst zu)). Das Wahlrecht (gilt auch für Anschlußheilbehandlungen) betrifft nach §9 Sozialgesetzbuch IX nicht nur Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen, sondern alle gesetzliche Rehabilitationsträger, also auch Rentenversicherungen oder Unfallversicherungen. Die deutsche Gesellschaft für medizinische Rehabilitation hat dazu eine informative Broschüre herausgegeben: hier klicken.
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